21

Sep
2011

Über Kleinkriminalität, Anarchie und meine Art herumzukommen

Cycleproject

Meine Güte ist das schon wieder schwierg. So viele Dinge, über die ich gerne schreiben würde und so wenig Plan, wie ich das in einen sinnvollen Blogartikel für die Blogparade Urbane Mobiltät, die ich gemeinsam mit den Leuten der Raiffeisen Leasing initiert habe, verpacken soll. (Was ist eine Blogparade)

 

Ich vermute, den vielen anderen, die schon zugsagt haben, dass sie an der Blogparade teilnehmen wollen geht es ähnlich, deshalb will ich dieses Mal mit gutem Beispiel vorangehen und nicht wie sonst immer, bis 26.9. 23:59 Uhr warten, bis mein Artikel fertig ist. Ich kann das E-Bike natürlich nicht gewinnen, falls sich das jemand fragen sollte. Nachdem mich das Thema aber interessiert, mache ich trotzdem mit. 

 

Ich hatte mir im Vorfeld einige Themen überlegt, die ich im Ankündigungsartikel schon aufgezählt habe, aber letztendlich möchte ich einfach ein paar persönliche Erfahrungen mit euch teilen und erläutern, wie ich mich in der Stadt so bewege und warum ich manche Dinge gut und anderer wieder weniger gut finde. 

Status quo – The way I come around

 

Wenn man so wie ich schon in vielen Städten der Welt gelebt hat, weiß man das Wiener Öffi-Netz wirklich zu schätzen. Mich nervt das Wiener-Linien-Bashing also manchmal wirklich. Natürlich gehts noch viiel besser, aber in Wien herrscht definitiv “Jammern auf hohem Niveau”. Seit fast 10 Jahren bin ich deshalb stolze Besitzerin von diversen, Jahreskarten, Semestertickets, Ferientickets – je nach Lebensabschnitt eben. Ein Auto besaß ich nie und werde ich vermutlich auch nie, aber dazu später. Die übrigen Wege erledige ich wo möglich mit dem Fahrrad, gerne auch dem City-Bike und wenns sein muss natürlich zu Fuß, wobei letzteres die am wenigsten bevorzugte Art der Fortbewegung ist. Wenns mal weiter weg geht, bin ich entweder im Zug oder als leidenschaftliche Beifahrerin im Auto von Freunden und Familie unterwegs. In meinem Leben bin ich wohl nicht mehr als 10.000 km selbst gefahren und genieße lange Strecken mit der Bahn, wo ich erstaunlicherweise sehr konzentriert arbeiten kann.

Eigentlich bin ich einfach nur faul – und effizienzmaximierend

Ja – richtig gelesen. Faul! Mein liebstes Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad und das nicht, weil es das ökologischste, sondern einfach weil es das bequemste und effizienteste ist. Ich hab mal gelesen, dass bei Strecken unter 5 km das Fahrad das schnellste “Medium” ist. Bei meiner Fahrtgeschwindigtkeit (gehöre eher zur gemütlicheren Sorte) liegt dieser Wert wohl eher bei 3,5 km aber ansonsten unterschreibe ich diese Aussage. Die Strecken zwischen den Öffis und die Zeit, die durch Parkplatzsuchen und Staus draufgehen, fallen beim Fahrrad einfach weg. Ich steig bei meiner Wohnung “ein” und bei meiner Zielort “aus”. Fertig! Ich hasse nichts mehr, als nach langer Parkplatzsuche, dann noch mehrere 100m zum Zielort zu laufen. Wo ist dann bitte der Vorteil? Dann hätt ich ja gleich mit der U-Bahn heimfahren können!

 

The Downside of the Story – 15-20 geklaute Fahrräder

Seit 15 Jahren bewege ich mich mehr oder weniger regelmäßig mit den Fahrrad fort. In dieser Zeit wurden mir so zwischen 15-20 Räder gestohlen, also ca. eines pro Jahr. Natürlich war ich nicht immer ganz unschuldig daran, wenn das Schloss zu schlecht oder es überhaupt kurz mal nicht abgeschlossen war. TROTZDEM IST DAS EIN RIESENPROBLEM!!!! Ich könnte mich grün und blau ärgern über dies kleinkriminellen Banden, die dann Was-Weiß-Ich mit meinen wertlosen Rädern machen. Die Stadt Wien ist hier wirklich gefordert, denn diese vermeintlich kleinen Delikte sind vermutlich nicht selten der Einstieg in größere Verbrechen. Ich würde mir hier eine Herangehensweise ähnlich der “Broken-Windows-Theorie” wünschen. ZERO TOLERANCE für Fahrraddiebe also!

Anarchismus oder Hausverstand?

Diese Kapital könnte wohl Bände füllen, aber immer öfter höre ich, wie Fahrradfahrer als Anarchisten beschimpft werden. Ja – es gibt diese schwarzen Schafe, die rücksichtslos herumfahren – das verurteile auch ich, entspricht aber nicht der Mehrheit. Was spricht aber dagegen, wenn ich in nahezu Schrittgeschwindigkeit auf einem Gehsteig fahre, weil es auf der Strasse keinen Fahrradweg gibt und ich mich dort aufgrund enger Wege in Lebensgefahr sehe? Man fühlt sich teilweise als “heimatlos” auf Wiens Strassen. Überall wird man verscheucht. (Der Jammerteil ist hiermit beendet.)

Ich wünsche mir deshalb mehr Gehsteige, die jetzt schon breit genug sind, sowohl für Fahrradfahrer, als auch für Fussgänger gekennzeichnet sind. Man kann beobachten, welch riesige Veränderungen diese blauen Schilder herbeiführen können. Beide “Parteien” passen in diesem Fällen viel besser aufeinander auf und tolerieren sich vor allem. Ich breche also nicht absichtlich das Gesetz, wenn ich auf dem Gehsteig fahre, es ist lediglich ein Mangel an Alternativen und Selbstschutz. Ein weiterer Punkt sind rote Ampeln. Ich oute mich nun als “Rotkreuzer”, aber nur in selbem Ausmaß, wie ich es als Fußgängerin mache, wenn mein Hausverstand es mir erlaubt. Wenn eben grad keine Kinder in der Nähe sind und absolut kein Auto in Sicht ist – wer tut das denn nicht, bitte? Ich sehe dieses “Verbrechen” auch nicht als Einstieg in die Kleinkriminalität, es hört nämlich genau dort auf, wo mehrere Autos im Spiel sind, in meinem Fall also spätestens am Gürtel.

 

Quo vadis – Die Welt in 100 10? Jahren
 Ein kluger Bekannter hat vor kurzem gesagt:
Wir wissen, wie die Welt in 2100 aussieht, aber den Weg dorthin kennen wir noch nicht.
Das gilt wohl neben vielen anderen Bereichen auch für die Mobilität. Ich bin mir sicher, dass man eines Tages (vielleicht schon in wenigen Jahren) aus dem Haus geht und mit dem Smartphone oder wie es auch immer dann heissen wird, in das nächstgelgene Auto, welches mit Erneuerbarer Energie fährt, einsteigt. Tamyca und Flinc machen das bereits vor. Der Fahrradboom – mechanisch und elektrisch gleichermaßen –  wird sich weiter fortpflanzen, weil es einfach das genialste Fortbewegungsmittel ist. Freiheit pur quasi! Immer mehr Menschen erkennen das derzeit und wenn mal der “Tipping Point” erreicht ist, wird sich auch die Infrastruktur zum Wohle aller anpassen. Man wird nicht mehr verstehen, dass man früher mal stundenlang in Staus verbracht hat und seinem Körper täglich wenig Sport und viel Müll zugemutet hat. Für das Stauthema gibts in Peking gerade eine ersten genialen Ansatz. Eine Bahn, die über verstaute Straßen hinwegfährt. Alles andere entwickelt sich auch in eine sehr gute Richtung. Ich freu mich jedenfalls auf die urbane Mobiltät von morgen!

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Grafik: © Laurent Renault – Fotolia.com 


  1. vielleicht noch ein Kommentar zum Thema Anarchie. Regelübertretungen bei Autos ist man schon gewohnt, aber die sind dich viel gravierenderdabei einerseits doppelübertretungen- mit überhöhter gescwindigkeit über eine gelbe/rote ampel fahren (im Volksmund “taxigrün”)andererseits übertretungen, die direkt schwächere Verkehrsteilnehmer beeinträchtigen- Vorrangverletzungen am Schutzweg(laut vertrauensgrundsatz könnte ich da immer mit geschlossenen augen drübergehen. aber oft halten leute nicht einmal, wenn ich schon auf der straße stehe)und so jemand regt sich dann auf, wenn ich im schritttempo bei rot über eine T-Kreuzung fahre …noch eine kleine Anekdote: mein Arzt hat mich mit Radhelm gesehen. und er sagt mir, dass ich bitte immer mit so einer gelben jacke fahren sollte, weil er gerne die geschwindigkeitslimits übertritt und es dann weniger gefährlich ist.so tief sind übertretungen mit autos verankert, dass man sie völlig fremden personen gestehen kann, ohne probleme erwarten zu müssen